Die Sprache des Herzens – Ein Abend zum Thema Blindheit

Wie sowohl auf meiner Seite als auch in der regionalen Zeitung angekündigt wurde, fand nun vergangenen Samstag, den 24.03.2018, die Veranstaltung „Die Sprache des Herzens – ein Abend zum Thema Blindheit“ statt, welche ich gemeinsam mit dem Olympia-Kino in Leutershausen organisierte und durchführte.

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Ankündigung Veranstaltung im Olympia Kino Leutershausen

Liebe Leserinnen und Leser,
gerne möchte ich euch zu einer ganz besonderen Veranstaltung einladen, welche ich in Kooperation mit dem Kommunalen Kino in Leutershausen durchführe. So erwartet euch ein spannendes und abwechslungsreiches Programm. Das Kino zeigt den Film „Die Sprache des Herzens“, welches von einem taubblinden Mädchen handelt, welches durch eine geduldige Nonne Zugang zur Außenwelt findet, und im Anschluss gebe ich ein Konzert. Zudem erzähle ich euch etwas über mein Leben mit Blindheit und ihr bekommt auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Passend zum Schwerpunkt „Blindheit“ verbinde ich diese Veranstaltung mit einer Spendenaktion für die Christoffel Blindenmission, welche blinde Menschen auf der ganzen Welt unterstützt – euch erwartet also ein spannendes Programm, welches Film, Musik, soziales Engagement und Aufklärung über das Leben mit Blindheit miteinander verbindet. Wenn ihr also am Samstag, den 24.03.2018, noch nichts geplant habt, würde ich mich sehr freuen, wenn wir uns dort sehen!
Eure Kerstin

Alle Infos auf einen Blick
Veranstaltung in Kooperation mit dem Kommunalen Kino Leutershausen
Ort: Olympia-Kino Leutershausen, Hölderlinstraße 2, 69493 Hirschberg
Datum: Samstag, 24.03.2018, Beginn 19.00 Uhr
Eintrittspreis: 8 Euro

Achtung, Aufnahme!

Wie einige ja bereits mitbekommen haben, war ich am Donnerstag, dem 4. Januar 2018, im Tonstudio. Heute möchte ich Euch davon erzählen.

Als ich am Donnerstagnachmittag mit meinem Stage-Piano und meinem Eltern im Auto saß, war ich ziemlich aufgeregt. Wie würde es werden? Ich war zwar schon einmal mit meiner Schulklasse in einem Tonstudio gewesen, hatte dort aber nicht selbst aufgenommen. So war ich sehr gespannt.

Am Ziel angekommen, musste ich mich erstmal etwas orientieren. In dem großen Raum, in den ich geführt wurde, gab es jede Menge Technik: Ein Mischpult, ein Computer und einiges mehr. Ebenfalls beeindruckend war die riesige Gitarrensammlung – da konnte man mindestens 15 Gitarren in den verschiedensten Ausführungen finden. Und nicht nur das: Auch ein Studio-Piano stand dort. Eigentlich wollte ich auf meinem eigenen Piano spielen, jedoch ließ sich dieses mit dem vorhandenen Anschluss nicht an die Anlage im Studio anschließen und deshalb spielte ich dann auf dem Studio-Piano. Nun war alles bereit. Das Piano war aufgebaut, die Technik gerichtet und Matthias, der Betreiber des Tonstudios, war auch soweit. Insgesamt standen drei Lieder auf dem Programm. Als erstes wurde immer das E-Piano eingespielt. Dabei spielte ich auf Klick, also mit einem Metronom, welches mir den Rhythmus vorgab. Das Einspielen des Pianos war recht unkompliziert, da wir eventuelle Fehler gut korrigieren konnten. Was Matthias mit der Aufnahme machen konnte, war schon beachtlich. Er konnte die einzelnen Töne auf dem Bildschirm sehen. Dabei spreche ich nicht von den Akkorden, sondern wirklich von den einzelnen Tönen. Er konnte jeden einzelnen Ton markieren und im Lied verschieben, ausschneiden und an einer anderen Stelle wieder einsetzen, die Lautstärke verändern und sogar die Tonhöhe anpassen. Hatte ich also versehentlich die falsche Taste erwischt, konnte er in wenigen Sekunden den entsprechenden Ton so korrigieren, dass der richtige Ton erklang. Gerade bei „music at the river“ hat diese Bearbeitung ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen. Ist es dann irgendwann vernünftig, ging es an den Gesang. Dafür gab es einen Raum mit schalldichten Wänden. Da das Gesangsmikrofon so empfindlich war, musste es exakt auf mich eingestellt werden. Besonders wichtig war, das Mikrofon während der Aufnahme nicht zu berühren, denn es reagierte auf jedes kleinste Geräusch. Um mich mit Matthias, der im Technikraum saß, verständigen zu können, trug ich Kopfhörer und sprach durch mein Mikrofon. So konnte er auch meine fertige Pianobegleitung einspielen. Das war am Anfang ganz schön ungewohnt, darauf zu singen. Das hörte sich irgendwie ungewöhnlich an, irgendwie qualitativ ungewöhnlich gut, ganz anders als die Aufnahme meines Diktiergeräts. Den einzigen Fehler, den ich gemacht habe, war, sich nicht einzusingen, denn so waren ein paar schräge Töne dabei. Dennoch haben wir den Gesang nicht bearbeitet. Deshalb klingt dieser sehr natürlich. Doch die Qualität ist einfach nur klasse. Auf diese Weise wurden, wie bereits erwähnt, drei Lieder aufgenommen. Es war eine sehr interessante Erfahrung, denn schließlich erlebt man sowas ja nicht alle Tage. Und damit Ihr Euch das Ergebnis auch anhören könnt, gibt es „Traum nach Freiheit“ als neues Lied bei den Downloads.

Im Tonstudio - Kerstin am Piano

Im Tonstudio - Kerstin hört Probe

Im Tonstudio - Kerstin singt

Jahresgruß für 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

in den vergangenen 365 Tagen hat meine Webseite ihren Betrieb aufgenommen, ich habe 13 neue Lieder komponiert und zwei tolle soziale Aktionen durchgeführt – und die nächsten werden auch schon eifrig geplant. Ich danke Euch, dass Ihr immer wieder auf meiner Seite vorbeischaut und meine Projekte und Vorhaben mittragt und wünsche Euch alles Gute für das kommende Jahr, individuelle Höhepunkte, spannende Erfahrungen und positive Überraschungen.

Bis zum nächsten Jahr!

Eure Kerstin 🙂

Wie Weihnachten Kinder erwachsen macht – Kapitel 4

Es war wie jedes Jahr. Alles war schön dekoriert. Der Weihnachtsbaum erstrahlte unter dem Glanz des Weihnachtsschmucks. Die Kerzen auf dem Tisch tauchten den Raum in weihnachtliches Licht. Die Weihnachtsplätzchen der Oma rochen verführerisch. Wie jedes Jahr würde nachher das Weihnachtskonzert stattfinden. Familie Kaschnitz saß um den Weihnachtsbaum herum und packte Geschenke aus. Jedes der Kinder hatte  ein Geschenk der Mutter vor sich liegen, nur Kristina hatte keins. „Sicher will meine Mutter mich für mein Verhalten bestrafen“, war ihre Argumentation und so fragte sie gar nicht erst nach und tat so, als wäre alles wie immer. Irgendwann hatten alle ihre Geschenke geöffnet, da fragte Hannah: „Und wo ist Kristinas Geschenk?“ „Es tut mir leid, Kristina“, sagte die Mutter da, „aber du kriegst dein Weihnachtsgeschenk nachträglich. Eigentlich wollte ich dir eine neue Barbie-Puppe schenken, aber die bekommt jetzt mein Patenkind. Wie wäre es für dich mit einem Shoppinggutschein für einen Klamottenladen in der Stadt? Da könntest du dann ganz alleine shoppen gehen, ohne mich, und Frau Sanders würde sich sicher freuen, dich zu begleiten.“ Da fiel Kristina ihrer Mutter um den Hals: „Ja, das ist eine geniale Idee! Vielen Dank!“, rief Kristina. „Und für dich, Jona“, fuhr die Mutter fort, „Habe ich auch etwas. Wir helfen dir, eine neue Wohnung zu finden und zahlen Geld dazu, damit du sie dir leisten kannst und wenigstens ein Dach über dem Kopf hast.“ Jona schaute sie ungläubig an. „Das ist doch nicht nötig“, sagte er leise. „Doch, ist es“, beharrte die Mutter und umarmte ihn, „und jetzt lasst uns das Weihnachtskonzert beginnen!“ Kristina stand auf und ging langsam zum Klavier. Für einen Moment schaute sie einfach nur in die Runde, dann begann sie zu spielen. Ganz zart spielte sie, und jeder Ton stimmte perfekt. Jona und die Mutter schlossen die Augen, und die Geschwister standen auf und traten ganz nah an ihre Schwester heran. Als das Stück zu Ende war und spontaner Applaus aufbrandete, stand Kristina auf. Freundlich und doch selbstsicher strahlte sie ihre Familie an. Jona umarmte sie. „Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk meines Lebens“, sagte er. „Und für mich ist es das schönste Weihnachtsfest meines Lebens“, sagte Kristina und lachte.

Weihnachtsaktion 2017

In den letzten zwei Wochen vor den Weihnachtsferien, vom 12.12. bis zum 21.12., fand meine Weihnachtsaktion statt. Dabei ging es darum, an Menschen zu denken, an die man sonst nicht denkt – und zwar nicht irgendwo weit weg, sondern ganz regional: An meiner eigenen Schule.

An der Schule, die ich besuche, leben und lernen blinde und sehbehinderte Kinder sowie Kinder mit einer Mehrfachbehinderung. Viele leben dort im Internat, da die Schule zu weit von ihrem Zuhause entfernt ist. So ist die Schule für viele zur zweiten Heimat geworden. Aber natürlich braucht es auch Menschen, die dafür sorgen, dass der Schulalltag gut funktioniert. Oft ist man häufig selbst so beschäftigt, dass man viele Personen, die wichtige Aufgaben übernehmen, im Alltag ganz vergisst. Das ist keine Kritik an irgendwem, das ist einfach so – und trotzdem ist es schade. Deshalb habe ich mich dieses Jahr genau auf diese Personen konzentriert und gleichzeitig verdeutlicht, dass auch Lehrer oder Erzieher nur Menschen sind.

Teil 1: An Menschen denken

Vor Beginn der Aktion hieß es erstmal einkaufen gehen – für viele Menschen, die an unserer Schule wichtige Aufgaben übernehmen, aber deren Arbeit im Schulalltag häufig gar nicht richtig geschätzt wird. Ich wollte diesen Anlass nutzen, um „Danke“ zu sagen – mit netten Worten, Schoko-Nikoläusen und Schoko-Bären. Und auch wenn Dir das vielleicht zunächst langweilig erscheint: Man kann dabei wahnsinnig viel erleben!

1. Wäscherei

Im normalen Internatsalltag läuft das so: Die Schülerinnen und Schüler werfen ihre schmutzige Wäsche in die Wäschecontainer und bekommen sie sauber wieder zurück. Aber was passiert eigentlich dazwischen? Die Frauen in der Wäscherei, die die Wäsche waschen, falten und bügeln, werden häufig gar nicht wahrgenommen. Doch ich habe mich auf den Weg gemacht, um ihnen ein kleines Dankeschön zu bringen. Wie lange war ich schon nicht mehr in der Wäscherei? Ich weiß es nicht. Jedenfalls war ich sehr froh, dass die Chefin zufälligerweise gerade dort war, mich gleich gesehen hat und mir den Weg zeigen konnte.

2. Küche

Wenn der Unterricht zu Ende ist und alle hungrig in den Speisesaal stürmen, steht das Essen meist schon auf dem Tisch. Wenn alle dann essen, hört man eher ein „igitt“ als ein „lecker“. Aber wie viel Arbeit eigentlich hinter so einem Essen steckt, ist den meisten nicht bewusst. Das ist einfach Alltag. Deshalb haben auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Küche ein kleines Geschenk verdient. Hier war es nicht ganz so einfach, auf sich aufmerksam zu machen, denn alle waren eifrig beschäftigt – aber meine Ukulele half mir: Schon nach wenigen leisen Tönen kam eine Küchenfrau zu mir herüber und konnte die Dose mit Schokobären entgegennehmen.

3. Textservice

Wenn man in der Schule in den Schulbüchern liest, denkt man vermutlich vor allem an die Inhalte. Aber einmal habe ich mich etwas anderes gefragt: Wer überträgt das alles eigentlich, scannt die „normalen“ Schulbücher ein und macht sie so barrierefrei, dass sie von blinden Menschen am Computer gelesen und bearbeitet werden können? Die Antwort: Der Textservice. Dabei ist es fast peinlich, dass ich in meinen ganzen zehn Jahren an dieser Schule noch kein einziges Mal dort war. Aber das sollte sich hiermit ändern, denn wer uns blinden die Möglichkeit auf gleichberechtigte Bildung wie die sehenden erst ermöglicht, hat auch eine Gegenleistung verdient. So machte ich mich ganz gespannt auf den Weg – und ging unheimlich erfrischt, aber andererseits auch etwas nachdenklich wieder zurück: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren sehr interessiert, da sie normalerweise keinen Kontakt zur Schülerschaft haben und wir waren schon bald in ein langes Gespräch vertieft, in dem äußerst viel gelacht wurde, und gleichzeitig ist es schade, wie viele nette Menschen es an unserer Schule gibt, die wir Schüler gar nicht richtig kennen. Ein Glück, dass ich bei meiner Aktion ein bisschen herumkomme …

4. Verwaltung

Was wäre, wenn keiner über die finanzielle Lage der Schule Bescheid wüsste, wenn alle Briefe nicht gelesen und beantwortet werden würden und wenn allgemein niemand schauen würde, ob alles seine Ordnung hat? Dann würde so einiges nicht funktionieren. Aber dafür gibt es ja die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung! Auch für sie hatte ich eine Kleinigkeit. Aber obwohl ich schon zehn Jahre an der Schule bin, da hörten meine Wegkenntnisse wirklich auf und mir war gleich klar: Alle Büros würde ich nicht finden. Ein Glück gibt es an unserer Schule viele nette Menschen, die mir helfen konnten – und all diejenigen, die ich nicht persönlich angetroffen habe, bekamen ihr Geschenk vom Sekretariat. Das war zwar irgendwie schon schade, dass wir uns nicht persönlich begegnen konnten, aber ich bin dennoch sehr froh über die vielen Menschen an unserer Schule, die die Dinge vertrauensvoll weitergeben.

5. Hausdienst

Sie basteln und tüfteln, wenn mal etwas nicht so funktioniert, wie es funktionieren soll. Sie tragen Stühle, Tische, Instrumente oder anderes von A nach B, je nachdem, wo es gebraucht wird. Ihr Elektroauto dürfte allen Schülerinnen und Schülern bekannt sein. Schon erkannt, um wen es geht? Richtig, um die Hausmeister. Auch sie haben mal eine kleine Stärkung verdient – was für ein Zufall, dass gerade alle versammelt waren, als ich zum Büro des Chefs kam …

6. Pforte

Die Arbeit an der Pforte beinhaltet Schultore aufmachen, wenn jemand klingelt oder die Leute wieder herauswollen und ganz viel telefonieren. So bin ich an einem kühlen, verregneten Spätnachmittag mit Schokoladennikoläusen bewaffnet zur aktuell diensthabenden Pförtnerin aufgebrochen, um dieser Nervennahrung für das ganze Team zu bringen. Dabei wurden auch hier ein paar nette Worte gewechselt, bevor es für mich weiterging.

7. Pflegekräfte und Fachlehrer K

Viele mehrfachbehinderte Kinder haben ganz spezielle Bedürfnisse. Zum Beispiel können sie nicht alleine essen oder nicht alleine auf die Toilette gehen, weshalb sie Windeln tragen oder über eine Sonde ernährt werden müssen. Absolut nachvollziehbar, dass es nicht so einfach zu bewerkstelligen wäre, wenn die Lehrerinnen und Lehrer in der Unterrichtszeit immer noch Windeln wechseln müssten. Deshalb gibt es spezielle Pflegekräfte, die diese Kinder unterstützen und die Lehrerinnen und Lehrer dadurch entlasten. Und nicht nur das: Da viele Kinder aufgrund einer Körperbehinderung weitere diesbezügliche Förderung brauchen, gibt es die sogenannten Fachlehrer K, ein Team aus Therapeutinnen und Therapeuten. Viele Schülerinnen und Schüler dürften gar nicht wissen, dass es diese Bereiche gibt (insofern sie nicht selbst etwas mit diesen zu tun haben). Deshalb habe ich auch dorthin einen kleinen Weihnachts- und Dankesgruß versendet – im wahrsten Sinne des Wortes, denn da die Zeit für einen persönlichen Besuch leider nicht ausreichte, wurden die Geschenke ganz bequem per „Hauspost“ verschickt und vom stellvertretenden Schulleiter überbracht.

Teil 2: Weihnachtskarten

Lehrerinnen und Lehrer sind auf den ersten Blick eher unbeliebt, denn sie bestimmen, was man als Schüler/Schülerin zu tun hat, geben Hausaufgaben auf und verteilen womöglich auch noch schlechte Noten. Auf den zweiten Blick sind aber auch Lehrerinnen und Lehrer ganz normale Menschen und sind als solche vielleicht gar nicht so streng, wie es auf den ersten Blick ausschaut. Gleiches gilt für die Erzieherinnen und Erzieher, für die Putzfrauen, die die Internatsgruppen und Schulgebäude putzen – und auch für die Schulleitung. Deshalb habe ich mir meine Punktschriftmaschine geschnappt und Karten gebastelt – insgesamt 17 Stück! Wo diese gelandet sind, erfährst Du hier:

1. Fachlehrer

Alle Lehrerinnen und Lehrer, die mich in einem Hauptfach unterrichten, haben eine Weihnachtskarte bekommen. Eigentlich eine nette Geste, oder? Aber das Schenken einer Karte ist gar nicht so einfach wie es vielleicht scheint – denn womöglich hat man den entsprechenden Lehrer oder die entsprechende Lehrerin zwar schon jahrelang im Unterricht, dennoch kostet es Überwindung, auf die Personen zuzugehen und zu sagen: „Ich habe da noch was für Sie …“ Doch ich habe meine Angst überwunden und so hatte am Ende jede Karte ihren Adressaten bzw. ihre Adressatin gefunden.

2. Erzieherinnen

Man begegnet ihnen jeden Tag, wenn man im Internat ist: Den Erziehern und Erzieherinnen. So habe ich auch den Erzieherinnen meiner Internatsgruppe Weihnachtskarten geschenkt – und die Freude darüber war nicht zu übersehen.

3. Leitungsteam

Auch die Schulleiterin und der stellvertretende Schulleiter profitierten von meiner Aktion, denn sie bekamen mit einer Weihnachtskarte und einem Schoko-Nikolaus sogar das doppelte Programm. Dabei konnte ich die Umschläge sogar persönlich übergeben – und auch bei den Menschen in den höchsten Positionen unserer Schule konnten sich alle Beteiligten über freundliche und offene Begegnungen freuen.

4. Reinigungskräfte

Die beiden verbliebenen Weihnachtskarten gingen an die beiden Reinigungskräfte, mit denen ich häufig zu tun habe. Die eine reinigt die Internatsgruppe, die andere in meinem Klassenzimmer. Bei all der Arbeit ist es doch nett, ein kleines Zeichen weiterzugeben.

Fazit

Durch meine Aktion, insbesondere durch den ersten Teil, habe ich viele nette Leute und bislang unbekannte Orte meiner Schule kennengelernt, was sehr spannend war. Ich habe gemerkt, wie einfach es sein kann, anderen eine Freude zu bereiten – und ganz wichtig: Erwachsene freuen sich genauso über Geschenke wie Kinder. Das Beste daran: Dafür braucht es noch nicht einmal viel. Es reicht schon ein freundliches „Danke“ aus. Es ist nämlich nicht wichtig, möglichst viel zu schenken, sondern dass man an die Menschen denkt.

Inspiration

Morgen ist Heiligabend und danach folgen zwei freie Weihnachtstage. Nutze diesen Anlass und überlege Dir einmal, welche Person eine wichtige Position in Deinem Leben einnimmt und dieses entscheidend bereichert und zeige dieser, dass Du an sie denkst. Ein einfaches, aber ehrlich gemeintes „Danke“ kann dabei schon genügen.

Wie Weihnachten Kinder erwachsen macht – Kapitel 3

Kristina zuckte zusammen, als sie plötzlich angesprochen wurde. „Entschuldigung, aber ich sehe Sie schon den ganzen Nachmittag herumirren“, sagte eine Männerstimme, „brauchen Sie Hilfe?“

„Jona, bist du das?“, fragte Kristina, der die Stimme sehr bekannt war.

„Ja“, antwortete er, „aber woher kennen Sie mich?“

„Ich bin Kristina“, sagte Kristina leise, „und ich habe den ganzen Nachmittag auf dich gewartet.“ Da wurde Jona still und traurig.

„Oh“, sagte er gerührt, „das tut mir leid. Ich habe dich schon lange gesehen, dich allerdings nicht erkannt. Du siehst irgendwie so anders aus. Du bist nicht mehr das kleine blinde Mädchen, das ich kenne, sondern eine souveräne Frau, die gleichberechtigt mit den sehenden lebt.“

„Ich habe die Kleidung von meiner Nachbarin geschenkt bekommen“, erklärte Kristina, „und jetzt wollte ich dich abholen, um mit dir zu mir nach Hause zu fahren, damit du mit mir und meiner Familie gemeinsam Weihnachten feiern kannst und den Weihnachtsabend nicht wieder alleine auf der Straße verbringen musst.“

Da stiegen Jona die Tränen in die Augen, und er nahm Kristinas Hand und sagte zu ihr: „Das wäre nicht nötig gewesen, aber es ehrt mich sehr, dass du an mich gedacht hast.“

Sie fuhren mit der Straßenbahn zum Bahnhof zurück und gingen in die Bahnhofshalle hinein. „Gleich fährt ein Zug in unsere Richtung“, sagte Kristina und lief zielstrebig auf den Bahnsteig.

„Bist du eigentlich noch im Internat?“, fragte Jona, als die beiden an der Bushaltestelle standen und auf den Bus warteten.

„Na klar. Aber jetzt habe ich Weihnachtsferien und da bin ich daheim“, antwortete Kristina.

„Aber deine Mutter erlaubt dir doch nicht, alleine loszuziehen“, wandte Jona ein.

„Da hast du recht“, erwiderte Kristina, „aber erstens bist du mir wichtiger als diese bescheuerte Regel und zweitens bin ich jetzt erwachsen.“

Der Bus kam. Kristina und Jona stiegen ein. Was würde wohl die Mutter sagen, wenn die beiden auf einmal vor ihr standen? Langsam wurde Kristina aufgeregt und das steigerte sich, je näher sie dem Haus kamen.

Als die beiden aus dem Bus ausstiegen, hörten sie als erstes das Brummen eines Hubschraubers. Außerdem erblickte man im Laufe des Weges immer wieder Scheinwerfer von Polizeiautos, die sich durch die verschneiten Straßen kämpften. Das Dorf war äußerst belebt und die Menschen standen an den Fenstern ihrer Häuser, um zu sehen, was passiert war. Auch Kristina und Jona fragten sich, was das hohe Polizeiaufgebot für einen Hintergrund hatte, doch sie blieben nicht stehen. Sie mussten zu Kristinas Familie. So führte Kristina ihren Freund zielstrebig auf die Haustür zu und klingelte. Es dauerte eine Weile, dann öffnete ihre Mutter die Tür.

„Guten Abend“, sagte Kristina höflich, „entschuldigung, dass ich einfach das Haus verlassen habe, ohne dir oder meinen Geschwistern Bescheid zu sagen, aber es hatte einen Grund. Ich habe einen guten Freund, Jona. Er ist obdachlos und hat kein Zuhause. Seit Jahren feiert er Weihnachten auf der Straße. Kannst du dir das vorstellen? Er hat keine Freunde, keine Weihnachtsgans, keine Kerzen, keinen Tannenbaum – er muss sogar oft draußen schlafen, obwohl es so kalt ist. Selbst Maria und Joseph, die in ziemlicher Not waren, wie sie am Weihnachtsabend in Bethlehem ankamen, konnten in einem Stall Unterschlupf finden. Kannst du dir vorstellen, dass er zwar jedes Jahr an das Weihnachtsfest seiner Kindheit zurückdenkt, aber genau weiß, dass er so etwas möglicherweise nie wieder erleben wird? Ich kann es und finde es schrecklich. Jeder sollte das Recht auf ein Weihnachtsfest in Frieden und Gemeinschaft haben, auch solche Menschen, die auf der Straße leben. Also habe ich ihn dieses Jahr zu mir eingeladen, ganz spontan, als Weihnachtsüberraschung, und bin mit Bus und Zug in die Stadt gefahren und habe ihn abgeholt, und da du mir das niemals erlaubt hättest, habe ich es geheim gemacht. Mama, ich bin 16 Jahre alt, ich bin kein Kind mehr! Ach, die neuen Klamotten sind übrigens das Weihnachtsgeschenk von Frau Sanders. Wir haben uns zufällig im Zug getroffen und da sind wir noch kurz einkaufen gegangen. Sieht doch schön aus, oder? So richtig erwachsen. Mama, es tut mir sehr leid. Ich weiß, dass du dir unglaubliche Sorgen gemacht hast. Aber du möchtest doch auch, dass ich später einen Job finde, oder? Gerade dann, wenn man eine Behinderung hat, muss man überzeugen – und dafür muss man erwachsen auftreten. Es tut mir leid, aber das gehört zum Leben dazu. Der Weihnachtsabend und die gute Tat für Jona gaben mir einfach den perfekten Anlass, um viele Sachen auf einmal zu verdeutlichen und gleichzeitig etwas Gutes für einen anderen Menschen zu tun.“

Im Laufe des Berichts war ein Polizist aus dem Wohnzimmer getreten und auch Kristinas Geschwister hatten sich an der Haustür versammelt. Keiner sagte etwas, nur die Mutter schlug die Hände vors Gesicht. Kristina korrigierte noch einmal ihre Körperhaltung und sah ihren Zuhörern nun direkt in die Augen.

„Natürlich will ich, dass du arbeitest und Geld verdienst“, sagte die Mutter schließlich.

Dann meldete sich der Polizist zu Wort: „Wir sind mit einem Großaufgebot auf die Suche nach dir gegangen, junge Frau. Wir haben alle Beamten des Ortes und des Nachbarortes, einen Hubschrauber und fünf Hunde mobilisiert. Wir sind sogar schon mit einem Motorschlitten und zwei Rettungshunden den Berg hinauf gefahren, weil wir dachten, du wärst vielleicht einen Abhang hinabgestürzt und hättest dich verletzt. Es ging um Leben und Tod, junge Frau, und 90 Prozent der Truppe hätten heute eigentlich nicht gearbeitet. So ein Verhalten ist einfach nur respektlos gegenüber uns und vor allem gegenüber deiner Mutter, und eigentlich müssten wir von dir für unsere stundenlange Arbeit bezahlt werden. Aber jetzt wollen wir an Weihnachten mal nicht so streng mit dir sein, denn natürlich hast du ein Recht darauf, erwachsen zu werden, und einen Obdachlosen würde auch nicht jeder zu sich einladen. Ganz nebenbei siehst du mit deiner Kleidung wirklich sehr erwachsen aus, und nicht nur das, dein Auftreten ist wirklich unglaublich, da vergisst man fast, dass du blind bist.“

Dann griff er nach seinem Funkgerät, gab seinen Kollegen Bescheid, dass die vermisste Person aufgetaucht war, und führte Kristina an ihren verwirrten Geschwistern und ihrer weinenden Mutter vorbei ins Wohnzimmer.

Wie Weihnachten Kinder erwachsen macht – Kapitel 2

Die Bushaltestelle war direkt um die Ecke, so nah, dass Kristina sie auf Anhieb fand, obwohl ihre Mutter ihr den Weg noch nie erklärt hatte. „Fröhliche Weihnachten, Kristina“, grüßte der Busfahrer – tja, in so einem kleinen Dorf kennt eben jeder jeden – und führte sie zu einem Sitzplatz. Die Fahrt zum nächstgelegenen Bahnhof dauerte eine knappe halbe Stunde. Als sie gerade aus dem Bus aussteigen wollte, drehte der Busfahrer sich noch einmal zu ihr um und fragte: „Seid wann bist du eigentlich alleine unterwegs? Ich dachte, deine Mutter erlaubt das nicht!“ „Sie erlaubt es auch nicht“, antwortete Kristina, „Aber ich bin jetzt erwachsen.“

Am Bahnhof zog sie ihr Handy aus der Tasche und suchte im Internet nach einer passenden Zugverbindung. Anschließend lief sie die Treppe zum Bahnsteig hinauf und als der Zug gehalten hatte, stieg sie ein und suchte sich einen Sitzplatz. „Ja, sag mal“, hörte sie plötzlich eine Stimme, „Hat deine Mutter dir immer noch keine gescheiten Klamotten gekauft?“ „Nein, Frau Sanders, sie hat leider immer noch nicht kapiert, dass ich inzwischen 16 Jahre alt bin“, antwortete Kristina, „dabei würde ich so gerne endlich erwachsen werden.“ Frau Sanders kannte Kristina schon seit ihrer Geburt. Sie wohnte direkt nebenan und hatte früher öfter auf sie aufgepasst, als sie noch nicht im Internat wohnte. „Deine Mutter ist so unmöglich“, sagte Frau Sanders und ließ sich auf den Sitz neben Kristina fallen, „Fährst du auch in die Stadt?“ Kristina nickte. „Dann gibt es für dich heute ein paar schöne Kleider als Weihnachtsgeschenk“, sagte Frau Sanders entschlossen, „Es wird höchste Zeit, deiner Mutter mal auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen.“

Am Hauptbahnhof der Stadt angekommen, fuhren Frau Sanders und Kristina mit der Straßenbahn in die Einkaufszone. Überall hörte man Weihnachtsmusik, in den Schaufenstern sah man überall Glitzer und Glanz und der Weihnachtsmarkt lockte mit dem Duft nach gebrannten Mandeln. Frau Sanders lief zielstrebig auf ein Kleidungsgeschäft zu, warf einen kurzen Blick auf verschiedene Kleiderständer und holte nach kaum mehr als einer Minute eine schwarze Hose aus dem Kleiderhaufen. „Die brauchen wir auf jeden Fall“, sagte sie. In den folgenden Minuten kamen noch ein rotes Sweatshirt und ein grauer Pullover hinzu. „Das ist zwar nicht viel, aber fürs erste reicht es“, sagte Frau Sanders, bezahlte und verabschiedete sich.

Kristina beschloss, ihre neuen Sachen direkt anzuziehen. Sie ließ sich in einer Gaststätte zur Toilette führen und wechselte dort ihr Outfit – die Sachen passten perfekt! Jetzt musste sie nur noch Jona finden…

Suchend lief sie durch die überfüllten Straßen. Normalerweise hielt sich ihr Freund in der Nähe des Einkaufszentrums nahe ihrer Schule auf, das wusste sie. Also ließ sie sich von ihrem Handy zurück zur Straßenbahnhaltestelle navigieren, fuhr mit der Straßenbahn zum Friedrichsplatz, in dessen Nähe sich ihre Schule befand, und lief zielstrebig den für sie altbekannten Weg zum Einkaufszentrum – doch es gab ein Problem: Woher sollte sie wissen, wo Jona war? Sie hätte ja niemanden fragen können, da sie nicht wusste, wie er gekleidet war. Immer wieder lief sie vor dem Einkaufszentrum hin und her, eilte zwischen den Geschäften herum, blieb stehen, lauschte auf Jonas Stimme, rief seinen Namen – aber sie konnte ihn nicht hören und er bemerkte sie offensichtlich auch nicht. Ob er heute wohl woanders war, ausgerechnet heute, dem Weihnachtsabend, wo Kristina ihm so eine tolle Überraschung machen wollte? Vielleicht wollte er auch nichts mehr mit ihr zu tun haben und ignorierte sie absichtlich. Doch warum sollte er das tun? Die beiden hatten ein äußerst gutes Verhältnis zueinander. Kristina wusste es nicht. Sie konnte nur suchen und abwarten. Irgendwann merkte Kristina, wie das Einkaufszentrum leer wurde. Die Geschäfte schlossen nach und nach ihre Türen und langsam setzte die Dämmerung ein. Bald, das wusste Kristina, müsste sie zurückfahren. Aber wo war Jona? Er musste doch irgendwo sein!