Wie Weihnachten Kinder erwachsen macht – Kapitel 4

Es war wie jedes Jahr. Alles war schön dekoriert. Der Weihnachtsbaum erstrahlte unter dem Glanz des Weihnachtsschmucks. Die Kerzen auf dem Tisch tauchten den Raum in weihnachtliches Licht. Die Weihnachtsplätzchen der Oma rochen verführerisch. Wie jedes Jahr würde nachher das Weihnachtskonzert stattfinden. Familie Kaschnitz saß um den Weihnachtsbaum herum und packte Geschenke aus. Jedes der Kinder hatte  ein Geschenk der Mutter vor sich liegen, nur Kristina hatte keins. „Sicher will meine Mutter mich für mein Verhalten bestrafen“, war ihre Argumentation und so fragte sie gar nicht erst nach und tat so, als wäre alles wie immer. Irgendwann hatten alle ihre Geschenke geöffnet, da fragte Hannah: „Und wo ist Kristinas Geschenk?“ „Es tut mir leid, Kristina“, sagte die Mutter da, „aber du kriegst dein Weihnachtsgeschenk nachträglich. Eigentlich wollte ich dir eine neue Barbie-Puppe schenken, aber die bekommt jetzt mein Patenkind. Wie wäre es für dich mit einem Shoppinggutschein für einen Klamottenladen in der Stadt? Da könntest du dann ganz alleine shoppen gehen, ohne mich, und Frau Sanders würde sich sicher freuen, dich zu begleiten.“ Da fiel Kristina ihrer Mutter um den Hals: „Ja, das ist eine geniale Idee! Vielen Dank!“, rief Kristina. „Und für dich, Jona“, fuhr die Mutter fort, „Habe ich auch etwas. Wir helfen dir, eine neue Wohnung zu finden und zahlen Geld dazu, damit du sie dir leisten kannst und wenigstens ein Dach über dem Kopf hast.“ Jona schaute sie ungläubig an. „Das ist doch nicht nötig“, sagte er leise. „Doch, ist es“, beharrte die Mutter und umarmte ihn, „und jetzt lasst uns das Weihnachtskonzert beginnen!“ Kristina stand auf und ging langsam zum Klavier. Für einen Moment schaute sie einfach nur in die Runde, dann begann sie zu spielen. Ganz zart spielte sie, und jeder Ton stimmte perfekt. Jona und die Mutter schlossen die Augen, und die Geschwister standen auf und traten ganz nah an ihre Schwester heran. Als das Stück zu Ende war und spontaner Applaus aufbrandete, stand Kristina auf. Freundlich und doch selbstsicher strahlte sie ihre Familie an. Jona umarmte sie. „Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk meines Lebens“, sagte er. „Und für mich ist es das schönste Weihnachtsfest meines Lebens“, sagte Kristina und lachte.