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Wieder in Heddesheim – diesmal zur Nikolausgala

Gruppenfoto der Inclusives-Künstler*innen mit Joey Kelly

Mein Auftritt beim Dorffest in Heddesheim hat offensichtlich Eindruck hinterlassen. Nun wurde ich erneut für eine Veranstaltung von Inclusives e. V. angefragt. Diesmal ging es um eine Nikolausgala am 6. Dezember.

Als Location hatte man sich die Räumlichkeiten des Golfclubs Heddesheim ausgesucht. Die Gäste waren vor allem Mitarbeitende von Firmen, die diesen Abend für ihre Weihnachtsfeier nutzten. Die Dekoration im Raum und die Outfits der Besucher*innen waren festlich und fein. Neben dem Beitrag von Inclusives e. V. selbst waren auch prominente Unterstützer, bekanntester von ihnen wohl Joey Kelly von der „Kelly Family“, vor Ort sowie weitere Comedy- und Musik-Acts in das Unterhaltungsprogramm des Abends eingebunden. Ein Drei-Gänge-Menü, wobei der Hauptgang als großes Buffet aufgebaut wurde, rundete den Abend ab.

Inclusives e. V. als Organisator des Events beanspruchte gleich die erste Stunde für sich. Wie auch beim Dorffest waren wieder verschiedene Musiker*innen mit unterschiedlichen Behinderungen dabei, wobei ich die Organisation vor und während der Veranstaltung diesmal wesentlich besser fand als auf dem Dorffest. Die Abläufe und Aufgaben waren klarer und mit Silvia, einer der treibenden Kräfte des Vereins und die einzige der Mitmusiker*innen, die ich schon vom Dorffest kannte, probte ich diesmal sogar einmal vorab zusammen. Am 6. Dezember selbst schickte man mich, kaum war ich angekommen, auf die Bühne zum Soundcheck. Anschließend ging es in den extrem komfortablen Backstage-Bereich, der gleich aus mehreren Räumen bestand, sodass ich mich hier (zumindest übergangsweise) häuslich einrichten und mich vor Ort umziehen und schick machen konnte. Anschließend trafen wir uns zum gemeinsamen Einsingen, wobei jede*r dazu beitrug und ein oder zwei Übungen anleitete, besprachen nochmal den Ablauf und hatten auch genug Zeit, in aller Ruhe unser diesmaliges gemeinsames Lied zu üben, was – wie letztes Mal auch – jede*r bislang nur für sich geprobt hatte.

Dann ging es los. Das Motto des Abends hieß „Jede*r hat seine Stärken!“, man könnte es auch erweitern um „egal ob mit oder ohne Behinderung“. Allseits bekannte deutsche Schlager wie „Im Wagen vor mir“ und „Ich war noch niemals in New York“ brachten das Publikum nicht nur gleich in Schwung, sondern waren dafür auch das beste Beispiel. Für den Sänger, der eine geistige Behinderung hat, war dieser Abend das Ergebnis monatelanger Vorbereitung. Dass nicht jeder Ton gepasst hat, war völlig egal, die Stimmung war bombastisch und wir freuten uns alle von ganzem Herzen mit ihm über diesen besonderen Moment.

Ich begann zunächst mit einem Lied, was Silvia mit mir einstudiert hatte, wobei – neben einem kleinen Teil, den ich gesanglich übernahm bzw. mit einer Zweitstimme unterstützte – mein Hauptaugenmerk auf der Klavierbegleitung lag. Anschließend versuchte ich, mit „Kommt, singt mit mir“ die Anwesenden wieder zum Mitsingen zu animieren. Leider klappte das nicht so gut (vermutlich, da das Lied – logischerweise, war ja auch ein eigenes – nicht so bekannt war wie die Schlager) und ich musste schnell feststellen, dass eine Nikolausgala im Golfclub etwas ganz anderes als eine Singgruppe ist, bei der ich im Rahmen der Singleiter-Weiterbildung das Lied ganz souverän anleiten konnte. Aber dafür wurde eifrig mitgeklatscht und das tat der Stimmung genauso gut. Als zweites Lied hatte ich ebenfalls eines meiner neuen Lieder mit wenig, dafür sich immer wiederholendem Text ausgesucht. Über den Stern bzw. das Licht als weihnachtliches Symbol einerseits und Synonym für Freude, Wärme und Zuversicht andererseits wollte ich den Bogen zwischen dem gewählten Datum mitten im Advent und dem Motto des Abends spannen und die Bedeutung dieses unterstreichen: „Sei wie ein Stern und strahle, sei wie ein Stern voll wärmendem Licht. Flieg, kleiner Stern, hinaus in die Welt, damit dieses Licht alle Herzen erhellt“, oder in Worten ausgedrückt: Jede*r ist wunderbar, so wie er*sie ist und jede*r besitzt – davon bin ich überzeugt – mindestens eine Gabe, mit der er*sie für sich selbst, aber vor allem auch für die Mitwelt im positiven Sinne wirken kann – eine Botschaft, die an allen Tischen ankam und auf große positive Resonanz stieß.

Der vierte Inclusives-Musiker im Bunde bot mir mit seinem Saxophon eine Verschnaufpause, in der die Gäste auch die Vorspeise serviert bekamen, bevor es für mich wieder auf die Bühne ging – diesmal aber nicht zum Musizieren, sondern mit meiner Braillezeile, auf der ich ein Nikolausgedicht vorlas, das unseren gemeinsamen Abschied einleitete. Mit dem Nikolaus höchstpersönlich (und diesmal auch wieder vielen begeisterten Mitsänger*innen im Publikum) wünschten wir mit „Feliz navidad“ allen einen schönen restlichen Abend und ein gelungenes Weihnachtsfest.

Während das kulturelle Programm mit zahlreichen weiteren Highlights fortgeführt wurde, gestalteten sich die nächsten 1 1/2 Stunden für mich als stetiges Hin und Her zwischen Abbau der Bühne, essen (wir durften natürlich auch ans Buffet) sowie Interviews führen und Fotoshooting für Fernsehen, Zeitung und Social Media, gespickt von Gesprächen mit Gästen und den prominenten Inclusives-Unterstützern auf den Wegen vom einen zum anderen. Es dauerte doch deutlich länger als angenommen, bis der Heimweg angetreten werden konnte, und nach einem bereits ziemlich stressigen Arbeitstag und je einer Stunde Hin- und Rückfahrt war der Tag am Ende doch ganz schön lang.

So viel Aufregung mitten in einer Arbeitswoche war definitiv nicht optimal und ich tue mir sicherlich einen Gefallen damit, bei solchen Anfragen in Zukunft konsequenter „nein“ zu sagen. Der Abend selbst war aber nicht umsonst: Ich konnte eine starke Botschaft so in die Welt senden, dass sie einen bleibenden Eindruck hinterließ, und habe das Gefühl, damit – wenigstens im Kleinen – wirklich etwas in Bewegung gesetzt zu haben. Und: Während mein Vater sonst oft nur als „Anhängsel“ und derjenige, der eben fährt, mich supportet und ein bisschen auf- und abbaut, gesehen wird, bekam er hier die gleiche Anerkennung und Dankbarkeit entgegengebracht wie ich auch – und das hat mich unheimlich gefreut.

Auch von diesem Event gibt es ein Video auf YouTube:

https://www.youtube.com/watch?v=jFxQssew0PM